Kniepunkt
Kolumne über die Widersprüche der digitalen Gegenwart.

KNIEPUNKT 046: KI-Garten

Created on 2026-07-11 22:29

Published on 2026-07-12 06:30

Wer in diesen Tagen auf die geopolitische Landkarte blickt, wähnt sich in einer globalen Schrebergartenkolonie kurz vor der Vorstandswahl. Die NATO und die UN haben nach langem über-den-Gartenzaun-Schauen endlich bemerkt, dass Künstliche Intelligenz ein strategisch verdammt wichtiges Düngemittel ist. Welch Überraschung! Gleichzeitig mauert sich Amerika ein, und China reagiert prompt, indem es seine saftigsten KI-Früchte unter ein strenges Exportverbot stellt und das Gartentor von innen verriegelt. Wir in Europa könnten daraus lernen, dass es besser wäre, gemeinsam das große Feld zu bestellen, anstatt jeden Grashalm per Verordnung zu regeln, bevor er überhaupt gewachsen ist. Der europäische AI Act ist in seiner Anlage eigentlich ein solider Pachtvertrag, aber die Hälfte der Paragrafen hätte gereicht. Während wir hierzulande jetzt erst mühsam die nationale Umsetzung in die Pflanzschale drücken, könnte das BSI doch einfach mal den Spaten in die Hand nehmen und pragmatische, schnelle Lösungen für aufkommende Probleme vorschlagen – oder sie, ganz unbürokratisch, einfach mal vorgeben.

Wie befreit man sich aus der Umklammerung der großen Garten-Monopolisten? Arthur Mensch, CEO von Mistral, ruft uns die Lösung über den Zaun zu: Pflanzt euer eigenes Open-Source-Gemüse! Auch wenn er dabei geschickt sein eigenes Saatgut anpreist, hat der Mann recht. Abhängigkeit hat noch nie geholfen, eine souveräne Position aufzubauen, besonders wenn in den USA und China die Zäune immer höher gezogen werden. Das haben übrigens auch die Cyber-Sicherheitsexperten des Schweizer Militärs verstanden. Sie kündigen dem Microsoft-Gärtner und bauen ihre Infrastruktur komplett auf die Open-Source-Suite Opendesk um. Eine exzellente Entscheidung, um Herr im eigenen Beet zu bleiben – da können wir in Deutschland noch einiges von den Eidgenossen lernen.

Und während Baidu aus China ganz nebenbei ein bahnbrechendes Open-Source-OCR-Modell präsentiert, das ganze Aktenordner für einen Apfel und ein Ei ausliest, müssen wir leider über unser eigenes Schul-Biotop sprechen. Microsoft-Studien zeigen: Die Kinder nutzen KI längst heimlich unter der Schulbank, meist ohne jede Anleitung. Und was macht der Intellektuellen-Gärtner Dave Eggers? Der alte weiße Mann lässt den „Ich will zurück in die gute alte Zeit“-Film ablaufen und fordert, KI komplett aus den Schulen zu verbannen. Sogar der Papst ist da mittlerweile fortschrittlicher. Meine Meinung: Wir brauchen KI ab der fünften Klasse als Pflichtfach. Das Problem: Die Lehrer lehnen KI vehement ab. Verständlich, wenn man noch nie damit gearbeitet hat. Daher mein konstruktiver Vorschlag: Statt sechs Wochen voll bezahlter Sommerferien bekommen alle Lehrkräfte diesen Sommer ein Mistral-Abo. Damit können sie dann die ganzen unfassbar vielen Aufgaben, wegen derer sie diese langen Ferien ja unbedingt brauchen, effizient mit KI lösen. Und den Rest der Zeit überlegen sie sich, wie sie ihren Schülern nach den Ferien souveränen Umgang mit der Zukunft beibringen.

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