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KNIEPUNKT 042: KI-(T)Raumschiff Europa 42 2026-06-14
ki
sovereignty
ai-act
energy
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Manchmal beschleicht mich das Gefühl, wir befänden uns mitten in der Pilotfolge einer neuen Science-Fiction-Serie. Mit Googles „Gemini 3.5 Live Translate“ ist der Universalübersetzer aus Star Trek keine utopische Requisite mehr, sondern eine App auf unserem Smartphone. Die babylonische Sprachverwirrung von immerhin 70 Sprachen wird in Echtzeit weggeglättet, einfach wunderbar! Aber uns fehlt der Warp-Kern. Der neue UN-Bericht rechnet uns gnadenlos vor, dass die Künstliche Intelligenz bis 2030 so viel Energie verschlingen wird wie ganze Industrienationen und das Wasser von 1,3 Milliarden Menschen verbraucht. Eigentlich können wir nur hoffen, dass die Blase platzt bevor der KI-Energiehunger noch größer wird. Oder wir bauen auf den guten alten Kapitalismus und lassen es den Preis regeln und damit gewinnt… trommelwirbel … China! Aktuelle Zahlen zeigen, dass ausgerechnet die Business-Neukunden in den USA zunehmend auf die sparsameren chinesischen Modelle von DeepSeek ausweichen. Der Preis diktiert am Ende eben doch die Physik des Marktes. Vielleicht rettet uns dann der Geiz und nicht die Erfindung des Warp-Kerns.

Es gibt eine weitere Hoffnung auf dem intergalaktischen Flugdeck, und zwar dort, wo man sie am wenigsten vermutet hätte: in den irdischen Gerichtssälen und den Fluren der europäischen Bürokratie. Das Landgericht München hat Google gerade für halluzinierte Antworten in den „Search Overviews“ haftbar gemacht, und in den USA klagt Florida als erster Bundesstaat gegen OpenAI. Endlich werden die Verantwortlichen dieses Hypes in die Pflicht genommen! Ein Raumschiff, dessen Navigationssystem man nicht vertrauen kann, ist nutzlos. Und gerade während ich diese Zeilen schreibe, bin ich davon noch viel mehr überzeugt. Gemini hat mir heute einige wirklich gut passende Nachrichten für meine Kolumne aufgetischt, die allesamt perfekt passten und noch bessere Pointen aufgebaut haben. Mit nur dem kleinen Haken, dass sie dafür völlig frei herbeihalluziniert waren. Dann bleibt mir doch nur wieder, alles selbst zu prüfen… Aber wir sollten uns helfen lassen, besonders, wenn wir uns mit KI beschäftigen, nicht wahr, Herr Wildberger? Warum das allerdings skandalisiert wird, wenn der Digitalminister das macht, verstehe ich nicht. Ich fände es eher skandalös, wenn er es nicht nutzen würde. Dafür ist KI doch da: um Ideen zu diskutieren und uns lästige Dinge abzunehmen.

Was sie uns nicht abnimmt, ist souverän zu denken und zu handeln. Da freue ich mich besonders darüber, dass Europa endlich damit beginnt, eine eigene KI-Werft für unser KI-(T)Raumschiff zu bauen. Der „EU Chips Act 2.0“ und der „Cloud and AI Development Act“ sind zwar spät, aber goldrichtig. Wenn wir nicht als Passagiere der dritten Klasse enden wollen, müssen wir selbst bauen. Sogar beim EU AI Act gibt es Einigungen zum Deepfake-Verbot. Zugegeben, das geplante Wasserzeichen ist wohl eher ein Pflaster auf einem Leck im Rumpf. Die finale Lösung wird ohnehin sein, dass wir Blockchain-Technologie nutzen müssen, um echte, menschliche Bilder zu zertifizieren endlich mal ein sinnvoller Nutzen für die Krypto-Technik! Wenn wir all das beherzigen, moralisch und souverän steuern, wird diese KI-Reise keine Dystopie, sondern der wirtschaftliche Quantensprung, den unser Kontinent so dringend braucht.

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