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KNIEPUNKT 021: KI Miete 21 2026-01-18
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Hast Du Dir eigentlich schon einmal überlegt, ob man Unabhängigkeit mieten kann? Es ist die große Verheißung dieser Tage: Souveränität als Service-Modell. Während ich diesen Text schreibe, liegt mein neuer Laptop neben mir, und der Download des Cinnamon-Builds von Linux Mint läuft. Ich habe beschlossen, meinen Sonntag zu investieren, um aus der schicken, aber fremdbestimmten Cloud-Wohnung auszuziehen. Ich baue mir mein eigenes digitales Haus.

Das ist ein fast schon ironischer Kontrast zur aktuellen Nachrichtenlage. Da verkündet AWS, ein Titan des US-Kapitalismus, dass die „European Sovereign Cloud“ in Deutschland an den Start geht. Man verspricht uns Souveränität, maßgeschneidert für unsere hiesigen Datenschutzregeln. Doch lassen wir uns nicht täuschen: Das ist, als würde Dir Dein Vermieter anbieten, ein „unabhängiges“ Gartenhäuschen in seinem Hinterhof zu beziehen. Du darfst dort schalten und walten, wie du willst, solange Du monatlich für das Fundament zahlst und akzeptierst, dass er letztlich den Schlüssel zum Gartentor hat. Wahre Souveränität lässt sich nicht abonnieren, man muss sie besitzen.

Der Widerspruch wird noch deutlicher, wenn wir auf die übrige Nachbarschaft blicken. Da verklagt Elon Musk OpenAI und Microsoft gerade auf die schwindelerregende Summe von 134 Milliarden Dollar. Ein digitaler Rosenkrieg auf Kosten der Nutzer, während ChatGPT in Deutschland damit beginnt, Werbeunterbrechungen in die Konversationen einzustreuen. 24 Millionen Menschen lernen bald schmerzhaft: Wer „kostenfrei“ zur Miete wohnt, muss damit rechnen, dass der Vermieter plötzlich Werbeplakate im Wohnzimmer aufhängt. Gleichzeitig verwaist Stack Overflow, der einstige Marktplatz für echtes, menschliches Expertenwissen. Wir tauschen unsere digitale Kultur gegen automatisierte Effizienz ein und wundern uns dann, dass wir am Ende nur noch Zuschauer in einem Spiel sind, dessen Regeln wir nicht mehr verstehen.

Mein Wechsel zu Linux ist kein Akt der Nostalgie, sondern eine unternehmerische Notwendigkeit. Es geht um die Frage, ob wir in Europa nur die besten Mieter der Welt sein wollen oder wieder zu Architekten unserer eigenen Infrastruktur werden möchten. Wenn wir den KI-Wettlauf nicht verlieren wollen, dürfen wir uns nicht darauf verlassen, dass uns andere die Werkzeuge für unsere Freiheit leihen. Wir müssen sie selbst schmieden.

Ich werde den Rest meines Sonntags damit verbringen, mein System so einzurichten, dass es mir gehört und nicht einem Konzern an der Westküste. Es wird ungewohnt sein und es wird keinen Support-Bot geben, der mir die Verantwortung abnimmt. Aber das Gefühl, der Herr im eigenen digitalen Haus zu sein, ist es mir wert.

Mich hat meine Recherche zu digitaler Souveränität zum Umzug getrieben. Wie sieht es bei dir aus? Bist du noch Mieter oder planst du schon den Umzug? Ich suche jetzt erstmal einen USB-Stick…

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