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024: KI-Arbeitswelt 24 2026-02-08T00:00:00.000Z
ki
sovereignty
leadership
education
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Sogar in den Hauptnachrichten waren diese Woche die deutschen Synchronsprecher. Sie streiken, weil Netflix sie durch viel billigere und nie ermüdende KI ersetzen möchte. Die Schreiber und Schauspieler in Amerika waren einigermaßen erfolgreich und haben sich schon vor geraumer Zeit durch Streiks bereits durchgesetzt. Wahrscheinlich wäre heutzutage die Nationalgarde aufmarschiert…

Gewerkschaften wurden gegründet, um die ausgebeutete Arbeiterschaft vor den gierigen Klauen der Großindustriellen zu schützen. In einer Zeit in der die Schere zwischen Arm und Reich noch sehr viel kleiner war. „Gleiches Geld für gleiche Arbeit“ ist so ein Slogan. Das galt bei den Software-Arbeitern eigentlich noch nie, aber jetzt wird es wild: Wer bei Meta seinen Code mittels „Vibecoding“ (der programmiertechnischen Variante von „mal schauen, was die KI ausspuckt“) erstellt und sich dabei lückenlos überwachen lässt, kann einen Bonus von bis zu 200 Prozent abräumen. Das ist kein Leistungskurs mehr, das ist ein digitales Panoptikum mit Goldrand. Wer nicht mitzieht, dem droht die „Low-Performer“-Säuberungswelle. Manager-Träume werden wahr: Die Belegschaft schrumpft auf ein Drittel, die Leistung verdreifacht sich und das Ganze wird mit einer Bonus-Lotterie von 0 bis 300 Prozent garniert. Wer braucht schon soziale Sicherheit, wenn er Spielshow-Elemente im Arbeitsvertrag haben kann?

Während Meta also die Leistung optimiert, verändert Anthropic (Claude) seine Einstellungstests. Sie sagen, dass sie keine realistischen Szenarien mehr nutzen können, um Menschen einzustellen. Die KI ist inzwischen so gut, dass sie alle unsere realistischen Tests viel zu schnell löst. Deshalb müssen wir jetzt Tests verwenden, die echte Kreativität fordern. Leider hat das nicht so viel mit der späteren Arbeitsrealität zu tun … [Anmerkung: Beim Schreiben muss ich gerade laut lachen.]

Elon Musk hat auf X (ehemals Twitter) seine Variante des Einstellungsgesprächs gezwitschert: „Ich frage nur noch: Welche drei echten Herausforderungen hast du gemeistert und wie? Alle anderen Fragen werden eh durch KI besser beantwortet als durch Menschen.“ Ich muss leider sagen, dass ChatGPT nach einem kurzen Dialog wirklich gute Antworten auf diese Frage hatte. Vielleicht ist es besser, dass Musks KI-Firma jetzt von SpaceX geschluckt wurde. Ich hoffe wirklich, dass es keine negativen Auswirkungen auf die Raketentechnik haben wird.

Viele fragen mich und wir fragen uns: „Wie wird KI die Arbeitswelt verändern?” Ich glaube fest daran, dass KI einen extrem positiven Impuls haben kann. Sie kann uns alle dazu befähigen, das zu tun, was wir wirklich wirklich tun wollen. Wir sollten nur darauf achten, dass wir ohne dazwischenliegende Katastrophe dorthin gelangen. Mein Appell an die Gewerkschaftler (und Führungskräfte) unter Euch: Denkt nicht darüber nach, wie ihr KI verhindern könnt, sondern wie ihr souverän damit umgeht, Euch nicht abhängig macht und Eure Menschen befähigt, zu erkennen was Eure Organisationen wirklich ausmacht. Dann sehe ich auch eine wunderbare Zukunft vor uns. Bis dahin: Genießen wir das Chaos. Es war selten so unterhaltsam.

Quellen:

Hatte keinen Platz, war aber trotzdem super interessant: